Die "ökumenische Orgel" von St. Bonifaz

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Im Jahr 1937 bekam unsere Kirche die erste Orgel von der Firma Schmid aus München, die im Stile der deutschen Romantik erbaut wurde. 1968 wurde die Orgel um ein drittes Manual erweitert und klanglich in ein neobarockes Instrument umgebaut. Diese Register entsprachen wohl dem damaligen Zeitgeschmack, erschienen heute jedoch nahezu unbrauchbar. Schrille und obertonhaltige Klänge, die sich sehr schlecht mischten, machten den Organisten das Musizieren schwer. Nur knapp die Hälfte der vorhandenen Klangfarben konnte verwendet werden, da die übrigen für den Gesamtklang einfach unbrauchbar waren.

Auch die Orgel der Neustädter Kirche, eine 1919 erbaute Steinmeyer-Orgel, die vor allem 1936 gravierend verändert worden war, war gleichermaßen verhunzt worden. 2005 wurde diese Orgel durch einen Neubau der Firma Goll aus Luzern ersetzt. Orgelbaumeister Benedikt Friedrich regte damals an, die alten, nicht mehr benötigten Register in der Neustädter Kirche zu lagern, um sie später für andere Projekte verwenden zu können.

Zur selben Zeit wurde die Betreuung der Bonifazer Orgel an Benedikt Friedrich übertragen. Herr Friedrich und Prof. Klek kamen irgendwann zufällig auf die selbe Idee: Da in St. Bonifaz sowieso eine Generalüberholung notwendig war, warum sollte man nicht gleich auch das "tote Kapital" der Orgel entfernen und durch Pfeifen der alten Neustädter Orgel ersetzen und mit neuen Registern ergänzen. Daraus würde nun eine ziemlich große Orgel mit 34 Registern entstehen, die nur ein Fünftel eines kompletten Neubaus kostet. Nicht nur der Organist Norbert Kreiner, sondern auch die zuständigen Gremien der Pfarrei waren von dem Projekt überzeugt und gaben grünes Licht für den Umbau.

Am 3. Dezember 2007 wurde schließlich die alte Schmid-Orgel stillgelegt und demontiert. Die Pfeifen wurden zur Überarbeitung in die Orgelwerkstatt nach Oberasbach gebracht und ab Januar wieder mit dem Aufbau begonnen. So erlebten 13 Register aus Neustädter Kirche ihre Wiederauferstehung in der neuen Orgel von St. Bonifaz. Darunter sind 3 Stimmen (Gambe, Trompete & Posaune), die bereits 1910 in der Neustädter Vorgängerorgel eingebaut wurden und nun kurz vor ihrem 100. Geburtstag ein neues Leben beginnen. Zu den 13 Registern der Neustäder Kirche kamen 16 Register der alten Bonifazer Orgel und 5 neue Register, um das Klangkonzept abzurunden.

Im Kontext der Erlanger Orgellandschaft, die durch verschiedene Neubauten in letzter Zeit förmlich aufgeblüht ist, repräsentiert die Bonifazer Orgel nun eine spezifische Authentizität. Sie bewahrt Erlanger Orgelgeschichte als erlebbare Gegenwart und deckt stilistisch einen Bereeich ab, der von keiner der größeren Erlanger Orgeln so getroffen wird - die deutsche Romatik inklusive einiger Klangausweitungen, wie sie für die 1920er- und 1930er Jahre charakteristisch sind und zum Kirchenraum aus dieser Zeit passen.

Passend zur Ökumenischen Orgelnacht im Oktober gibt es nun auch eine ökumenische Orgel, auf der hervorragend die Werke des bedeutendsten bayerischen Orgelkomponisten des 19. Jahrhunderts Joseph Rheinberger gespielt werden können.

Andreas Dietzel

 
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